Seinen Grund für den damaligen Wechsel zu Mainz beschreibt Gavranovic mit den Worten:”Tuchel hat mich damals fast täglich angerufen, mir SMS geschickt. Er hat mich schon fast angefleht, zu kommen [...]“. Doch kaum wäre er in Mainz angekommen gewesen hätte sich das Blatt gewendet: “Schon nach einer Woche hat Tuchel nicht einmal mehr mit mir gesprochen. Er hat mich links liegen lassen und mich völlig ignoriert.”
Für ihn ist das Tischtuch endgültig zerschnitten. “Diesen Typen will ich nie mehr in meinem Leben sehen. Er ist hinterhältig und falsch.”
Soweit also die Aussagen eines frustrierten Spielers der nicht wirklich zum Zuge kam.
Bei all der Emotionalität die in diesen Worten steckt stellt sich mir die Frage, was da wirklich vorgefallen ist. Einerseits glaube ich wirklich, das Tuchel den Spieler unbedingt haben wollte (sonst hätte er ihn nicht so bedrängt) doch glaube ich auch, das es einen Grund für Tuchels “Liebesentzug” schon nach einer Woche gab. Etwas muss vorgefallen sein womit der Schweizer in Tuchels “Ungnade” gefallen war. Jetzt stellt sich aber daraus wieder die Frage, ob Tuchel dieses Ereignis nicht kommuniziert hat oder ob Mario das evtl. nicht verstanden hat.
An diesem Punkt müssen wir die Diskussion verlassen da es keine Antwort darauf gibt. Nur die Beteiligten werden die Wahrheit kennen.
Kurz darauf las ich, das Mo Zidan den Verein verlässt. In der Begründung hiess es von Vereinsseite zuerst, dass Mo einen leistungsbezogenen Vertrag mit einer 20-Spiele-Klausel nicht akzeptieren wolle. Und da Mo ein “fürstliches Gehalt” beziehen würde hätte man die Option auf eine Verlängerung nicht gezogen sondern sich zu diesem Schritt entschlossen. Mo habe diesen Vertrag aber abgelehnt und somit wäre der Kontrakt gelöst worden.
Kurz danach wurde aber öffentlich gemunkelt, man hätte das Gefühl gehabt das Zidan sich nicht diesem Leistungsdruck aussetzen wollte. Und man hätte nach den anfänglichen Topleistungen des Spielers einen Leistungsabfall festgestellt der einherging mit Undiszipliniertheit und “geschwänzten” Trainingseinheiten. Deshalb hatte sich Tuchel immer öfter dazu entschieden, den Ägypter auf die Bank zu setzen. “Aus Fairneß den Kollegen gegenüber die sich im Training ordentlich angestrengt hätten” war zu lesen. Zidan hat diese Aussagen nur mit dem Wort “Kindergarten” kommentiert. “Er sei vielleicht zu zwei oder drei Trainings zu spät gekommen und wenn dann höchstens ein bis zwei Minuten”.
Im ersten Fall kann man also sagen, es mangelte vielleicht an der richtigen Kommunikation. Doch wie will man den zweiten Fall bemessen? Ein Gedanke ist, das Tuchel jemand ist der solche Undiszipliniertheiten nicht toleriert. Und ich glaube auch, dass jeder Spieler zu Beginn seiner Zeit in Mainz von Tuchel klar mitgeteilt bekommt wie die Regeln sind – und welche Konsequenzen ein Nicht-Beachten dieser Regeln bedeutet.
Was mich aber an beiden Aussagen etwas irritiert ist: beide zielen Richtung Trainer!
Und jetzt Fällt ein weiteres Steinchen passend ins Mosaik: eine Freundin, die regelmässig ins Sommertrainingslager in Österreich mitreist erzählte mir einmal, das Tuchel es nicht für nötig befinden würde die Fans zu begrüssen. Regelrecht ignoriert hätte er sie.
Ist das jetzt Ignoranz? Oder ist Tuchel einfach nur sehr Trocken und Nüchtern und sehr Fokussiert auf seine Aufgaben?
Wenn ich mir jetzt noch die Misserfolge der letzten Saison anschaue (Ujah, Stieber, Schönheim, Gavranovic, Allagui, frühes Ausscheiden aus der Europa League, Spiele gegen weitaus schlechtere Mannschaften verloren, das klägliche Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel) und dann noch sehe, wie der Spieler, dem man massgeblich den Klassenerhalt zurechnen kann, einfach so ziehen gelassen wird (Zidan war der einzige sogen. Top-Spieler im Kader), dann bin ich nachdenklich und auch ein wenig pessimistisch, was die neue Saison angeht. Bleibt nur zu hoffen, das ein Adam Szalai sich formmäßig noch weiter nach vorne entwickelt, das ein Eric Maxim Chupo-Mouting sich nicht verletzt, ein Nicolai Müller sich ebenfalls weiter entwickelt und das ein Sami Allagui die Fähigkeit, Tore zu schiessen, wiedererlangt (auch wenn er in Fürth als “Chancentod” verschrien war…).
Vielleicht gelingt Mainz ja auch einmal so ein Glücksgriff wie Dortmund als die einen bis dahin unbekannten Japaner namens Shinji Kagawa für rd. 300′ Eur verpflichteten…

